fuhr ich mit Kai* vom Programmkino Schauburg zur Kulturfabrik Werk 2. Mit dabei war Jens, ein Mitvierziger, der nur mal seinen Freunden in Leipzig hallo sagen wollte. Neben mir saß Nadia, Mitte zwanzig mit viel Metall im Gesicht, die vorhatte sich mit einer Freundin so richtig schön abzuschießen. Und last but not least eben genannter Kai, der Fahrer himself, der ins „Manfred“ wollte, um bei der Record-Release-Party seiner Lieblingspunkband dabei zu sein. Er nannte einen alten Mondeo Kombi sein eigen, der einzig von hunderten von Stickern zusammen gehalten schien. Im Inneren des Fahrzeuges waren die Klänge des Punkrock nicht zu überhören. Kaum hatten wir die für Mitfahrgelegenheiten typischen Fragen nach Woher, Wohin und Warum hinter uns gebracht, verwandelte sich das Fahrzeug in eine fahrende Telefonzelle.Ein Gefühl von Mitfahrgelegenheit 2.0 kam auf, als Jens vor mir gefühlt schon 30min mit seinem Kumpel telefonierte, Nadia auf Ihrem Smartphone rumhackte und unser Fahrer, ebenfalls per Telefon, seinen Abend plante. Kurz vor der Heldenstadt ebbte die Kommunikationswut weitestgehend ab und nur noch das Ufta, Uftata des Punks war zu hören. Man blickte aus dem Fenster in die Dunkelheit hinaus in die von Navis beleuchteten Autos hinein. Der REWE-Neubau kam in Sicht, ich setzte die Mütze auf, zahlte meine fünf Euro Unkostenbeitrag und lief die Straße hinunter ins Wochenende.
*Name wurde vom Verfasser extra nicht geändert


