Asien Ränder der Globalisierung Reiseberichte

Kirgisien, Kirgisistan oder Kyrgystan – Hauptsache weg

Auf unserer letzten gemeinsamen Mopedreise vor 15 Jahren war die Welt noch eine andere. Man konnte reisen, wohin und vor allem wann man wollte. Welch‘ paradiesische Zeiten das gewesen sein müssen. Kann man sich doch fast gar nicht mehr an diesen Urzustand des Reisens erinnern.

Nun, ein paar Jahre und vor allem ein paar Kinder später, hat sich die Welt seltsam verengt, zumindest das Zeit-Raum-Kontinuum ist nicht mehr so dehnbar wie Ano dazumal. Schon unser Guide fand das komisch: „die anderen Gruppen sind mind. 10-12 Tage unterwegs.“

In unserer Welt würde das „die Couch“ bedeuten. Gemeint ist damit, dass wir uns zu Hause erstmal im Wohnzimmer einrichten müssten, bevor wir noch wochenlanger Buße endlich wieder ins eheliche Schlafzimmer umziehen dürften.

Zum Glück vergisst der Mensch schnell und macht sich so lange etwas vor, bis auch der kürzeste Aufenthalt nach einer für den ein oder anderen ewigen Anreise den Weg durch die Hirnschranke in die Schublade „Gelungen“ findet.


Wie so oft im Alter vergeht die Zeit viel zu schnell. Oder war das früher auch schon so? Behauptet nicht der Volksmund: großartige Zeiten, vergehen wie im Flug, oder so ähnlich zumindest. Heißt wir hatten offenbar eine gute Zeit in den Bergen Zentralasiens. Aber der Reihe nach.

Es ergab sich im Jahre 2026 nach Christus als zu Pfingsten statt des Heiligen Geistes 6 junge Männer über Bishkek in ihren Fluggeräten vom Himmel herniederbrausten, um ihr Wiedersehen in den Bergen des Tienschan zu feiern. Mit Hilfe des lokalen Alkohols war man schnell in der Lage sich an das neue Setting zu gewöhnen:

KI-generierte Berglandschaften mit schneebedeckten Gipfeln, eine in grün gekleidete Landschaft mit unwirklich in die Gegend eingepassten Tierherden, wahlweise aus Pferden, Schafen oder Yaks bestehend. Mittendrin die eben schon erwähnten 6 Amigos, die sich auf ihren Mopeds geschmeidig durch die Bergkulisse hinauf- und auf der anderen Seite wieder hinabbewegten.

Das ganze garniert mit kleinen, weißen runden Filzhütten, auch Jurten genannt. Kulinarisch bietet die nomadische Küche vor allem eins: Fleisch. Und, kanjeschno: Kompott. Fast hätte ich noch Kimis, die legendäre vergorene Stutenmilch vergessen. Aber nur fast.

Um es vorwegzunehmen: Es fühlte sich gut an, endlich, nach so vielen Jahren wieder einen Einzylinder unterm Hintern zu haben. Je härter die Piste, desto breiter zogen sich die Mundwinkel Richtung Ohren. Einfach mal Gas geben, bis die Sehnenscheiden brennen, getreu dem Motto: Gang runter, Gas auf, Kopf aus! Urlaub für den Kopf.

Nach einer Woche war es vollbracht: sichtlich erleichtert, aber auch entspannt kehrten die Tawarischs zurück zum Ausgangspunkt Ihrer Reise, tranken und tanzen ein letztes Mal, bevor sie sich wieder in alle Winde zerstreuen.

Gründe zu Hause bleiben zu müssen gibt es immer, und vor allem werden es jedes Jahr mehr. Von daher waren wir alle froh – allen vermeintlichen Widrigkeiten zum Trotz – es wieder mal „gemacht zu haben“.  Yeah!